Letztens schrieb ich einen mir gut Bekannten in leitender Position an und erzählte ihm von meinem Angebot des Projekt-Coachings. Seine Antwort einige Tage später lautete, ich könne mir ja vorstellen, dass er der Meinung sei, keine Hilfe zu benötigen. Interessant ist, dass ich früher selber so gedacht habe. Und vielleicht noch spannender ist, dass hier mindestens ein doppeltes Missverständnis vorliegt.
Coaching ist keine Hilfe im Sinne von „Jetzt erzähle ich Dir mal wie es geht…“. Wie könnte der Coach das denn? Er ist, wenn auch erfahren im Leben und Beruf, kein Alleskönner. Er ist nicht der beste Unternehmer, der beste Verkäufer, der beste Entwickler. Wahrscheinlich war er mal gut in seinem früheren Berufsleben. Doch darum geht es gar nicht. Er ist ein versierter Begleiter, eine Hebamme im Sinne von entdecke selber, wo du, lieber Klient, langgehen willst und was du dafür benötigst. Und dafür benutzt du was du schon kannst, was du aber nicht immer gegenwärtig hast. Natürlich gibt ein Coach auch Anregungen und kurze Impulse.
Es geht um den Prozess. Jede Aktivität ist begleitet von Prozessen, die wir nutzen, ohne dass wir sie sehen. Oder können Sie sofort sagen, was Ihre Kultur ausmacht? Wenn Sie also etwas von jemandem Anderen wollen, sagen Sie es ihr oder ihm in Ihrer bestimmten Art und Weise. Abhängig von Ihrer Beziehung zu diesem Anderen, der Sachlage in der sie beide sich befinden, kommunizieren Sie in einer Art und Weise. Und diese Art und Weise hat eine Reaktion zu Folge, die im Extremfall nichts mit dem zu tun hat, was Sie von dem anderen wollten. An dieser Stelle kann sich bereits Erfolg und Misserfolg einstellen.
Das zweite Missverständnis ist, Feedback und Tipps können unglaublich wertvoll sein. Wenn man sich nur nicht immer dadurch herabgesetzt fühlen würde. Ein Lernprozess! Es ist ein Aspekt der Kultur in der man reflektiert wird. Ist Feedback gewünscht und toleriert, und wissen alle, wie Feedback erfolgen kann, ist unglaubliches Wachstum möglich. Ein weiterer Aspekt liegt immer an einem selber. Sie entscheiden letztendlich was Sie mit Tipps und Feedback anfangen, und wie Sie eine Reflektion auf sich wirken lassen.
Diese Prozesse zu erkennen und einzuleiten ist Aufgabe eines Coachs. Wenn es sich dabei um Prozesse innerhalb fachlicher Umgebungen handelt, ist es sinnvoll, einen Coach einzusetzen, der die Prozesse, die grundsätzlichen Kulturen des Miteinanders und die Zielsetzung dieser Fachbereiche kennt. Für einen guten Coach ist es aber grundsätzlich möglich, ein Prozessproblem wie einen Konflikt zu lösen, ohne je ein Projekt durchgeführt zu haben, oder sich auch nur für das Projekt inhaltlich zu interessieren.
Donnerstag, 22. Januar 2009
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